Deutsche und polnische Polizei bei der Öffentlichkeitsarbeit

Als ich in der Grundschule war, wurden wir eine Woche oder zwei von einem Polizisten besucht. Es war eine stattliche Gestalt, wahrlich respekteinflößend. Er sollte uns Verkehrregeln beibringen und abschließend eine Fahrradführerscheinprüfung abnehmen. Der Polizist war ein typischer berliner KOB, etwas älter, gutmütig aber streng, die Körperfülle war auch genau richtig, um resonanzstark über den zum Verkehrsübungsplatz umgestalteten Schulhof zu brüllen, falls jemand die Regeln missachtete. Bei mir war die Wirkung jedenfalls vorhanden, bekam ich den Fahrradführerschein mit Auszeichnung (in Form eines Knochen genannten Mehrfachwerkzeugs) überreicht. Vor allem hatte dieser Vertreter von Recht und Ordnung etwas für seine Berufsgruppe typisches: Einen dicken Backenbart.

Daran fühlte ich neulich erinnert, als ich auf einer Informationsveranstaltung war, bei der deutsche und polnische Polizeivertreter eingeladen waren, der interessertierten Bevölkerung Rede und Antwort zu stehen. Obwohl seit meiner Kindheit doch schon einige Jahre verstrichen waren, sahen die deutschen Polizisten, die für die Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen waren genau so aus: etwas älter, mit ein bisschen Körperfülle (so dass man sich bei ihnen nur schwer eine aktive Verbrecherjagd vorstellen konnte) und – das erstaunte mich dann doch – mit grau meliertem Backenbart.

Die eingeladene polnische Polizeikommandantur schicke Vertreter anderen Format: den mittelalten Kommandanten und zwei recht junge adrette Frauen in modernen Uniformen und Basecaps.

Ich weiß nicht, ob das Absicht war, aber gegensätzlicher konnte das Äußere nicht sein und außerdem schien es mir wieder so typisch zu sein.
Die polnischen Vetreter wollten vielleicht in erster Linie gut aussehen, die deutschen setzen auf Altersweisheit. Ich weiß auch nicht, was besser ankam bei der örtlichen Bevölkerung.

Dass die polnischen Uniformträger jünger sind, liegt vielleicht auch daran, dass sie nach einer gewissen (recht niedrigen) Anzahl von Dienstjahren in den Ruhestand gehen, während die deutschen bei entsprechendem Aalter dann mit der Kriminalstatistik und Powerpointpräsentationen auf die Bevölkerung losgelassen werden.

Vielleicht hätte der polnische Kommandant auch gern einen Backenbart präsentiert, doch die Polizeidienstvorschriften verbieten es ihm, heißt es doch, das Kopfhaar ist kurz und adrett zu tragen. Bei Frauen ist übrigens Schmuck verboten, aber den brauchten die Polizistinnen nicht, glänzenten sie auch ohne ihn.

Über fidzikowski

polonophiler Berliner
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